Water wheels pu luong tanh hoa featured img

Vor einer Woche bin ich in Pu Luong in der Provinz Thanh Hóa angekommen. Eigentlich war ich nur auf der Durchreise nach Tam Coc in Ninh Binh. Geplant war eine Nacht und dann weiter.

Die Gegend ist schön. Viel Natur, ruhig und touristisch bei weitem nicht so überlaufen, wie viele der anderen „Geheimtipps“ in Vietnam. Kurzum: Mir hat es so gut gefallen, dass ich um eine Nacht verlängert habe. Dann eine weitere Nacht. Und dann noch mal zwei Nächte. Fünf Tage ist eine gute Zeit für einen schönen Ort. Ich halte es eh für einen Fehler im Urlaub in kurzer Zeit maximal viel sehen zu wollen ohne sich auf die Orte wirklich einzulassen.

Blick ins Tal auf Reisterrassen und Berge in Pu Luong in der Provinz Thanh Hoa.

Fußpfad abseits des Hauptwegs. Absolute Ruhe. Reisfelder und Natur.

Am fünften Tag merkte ich, dass mir nichts mehr einfiel, was ich noch schönes machen könnte. Ich saß auf meinem Balkon, genoss den Regen und das warme Wetter, genoss die Ruhe und die Umgebung, war entspannt und wusste, dass am nächsten Tag der richtige Zeitpunkt war weiterzuziehen.

Die darauf folgende Nacht regnete es durch. Als ich am nächsten Tag nach dem Wetterbericht googelte, gab es für Ninh Binh eine Flutwarnung. Beim Frühstück hat eine andere Reisende, die mit ihrem Partner auch nach Ninh Binh wollte, das Hotel vor Ort angeschrieben und nach dem Wetter gefragt. Antwort: Don’t come. Cancel booking. Don’t come.

Ein Fluss in Pu Luong nach langanhaltendem Regen / Starkregen. Die Flüsse steigen stark an und drohen wie hier die Brücke zu überspülen.

Hier endet der Fußweg durchs Tal im Fluss. Der anhaltende Starkregen bringt Einschränkungen mit sich.

Bei so langanhaltendem Regen suchen sogar die Hühner Schutz. Gruppe von Hühnern die sich zu den Kühen gesellen in Pu Luong.

Mit dem Bus wäre ich vielleicht trotzdem gefahren aber mit dem Motorrad war es mir zu riskant. Also wieder zwei Tage verlängert. Zwei Tage Regen. Zwei Tage Laptop und kurze Spaziergänge. Heute Morgen dann hält mir eine Frau vom Hotel ihr Handy hin. In der Übersetzung vom Google Translator lese ich sinngemäß: „Streets are flooded. It is not possible to leave with motorbike.“ Manchmal läuft es einfach mal so gar nicht. Zumindest kommt man zum Schreiben.

Halte also das Wetter im Auge, wenn du nach Pu Luong reisen möchtest. Durch die Tallage können die Flüsse bei Regen stark ansteigen. Wenn man keine Eile hat und das eigene Hotel hoch genug liegt, ist es – zumindest jetzt in meinem Fall – halb so wild. Die überschwemmten Straßen führen zur absoluten Entschleunigung des sowieso schon ruhigen Lebens vor Ort. Ein Zimmer mit Balkon oder überdachtem Gemeinschaftsbereich, genug Puffer nach hinten und man kann die Pause wirklich genießen.

Nach mehreren Tagen Regen lassen sich viele Straßen nur noch zu Fuß überquereren.

Die Hauptstraße in Pho Doan. Meist leer. Nur noch vereinzelte Roller. Ruhe und Gemütlichkeit halten noch mehr Einzug als sonst.

Überspülte Straße nach mehreren Tagen Dauerregen. Schilder warnen vor der Überflutung.

Wollen wir uns also auf das Positive konzentrieren: Die Gegend ist schön. Die Gegend ist verdammt schön. Ein Tal mit Seitentälern besiedelt von den ethnischen Minderheiten Thai und Mường. Entlegene Dörfer mit Stelzenhäusern. Es gibt eine wunderschöne Höhle, die Bat Cave (Hang Doi). Donnerstags und Sonntags findet der lokale Markt in Pho Doan statt, der wirklich für die Einheimischen und nicht für die Touristen ist. Man kann Water Wheels bestaunen, die mit einer einfachen aber genialen Technik Wasser aus den Flüssen auf die Reisfelder befördern. Es gibt mehrere öffentlich zugängliche Wasserfälle. Und natürlich gibt es überall Hühner, saftig grüne Berge und Reisfelder.

Das einfache Leben, was man hier sieht, hat auf mich eine inspirierende Wirkung. Natürlich weiß ich nicht, ob die Menschen hier dieses Leben wirklich bevorzugen und ich möchte ihnen auch nicht Unrecht tun aber es ist auf jeden Fall eine ganz andere Welt. Eine Welt, die deutlich langsamer ist als die unsere. Eine Welt, in der die Menschen mit einfachsten Mitteln auszukommen scheinen. Eine Welt in der das Leben überwiegend an der frischen Luft stattfindet. Die traditionellen Häuser haben Fensterläden aber keine Glasscheiben. Man braucht ein Dach als Schutz vor der Sonne und dem Regen und Wände scheinen ausschließlich dem Sichtschutz zu dienen. Längere Regenphasen scheinen viele zu Nutzen um mit Freunden zu essen und zu trinken. Die Menschen wirken ausgeglichen und integriert in ihre Umwelt.

Was mich am meisten inspirert ist, mit wie wenig es möglich zu sein scheint, glücklich zu sein beziehungsweise zu wirken. Und ich stelle mir immer wieder die Frage, was eigentlich das Ziel ist. Also im Allgemeinen.

Ich erinnere mich, welche komische Wirkung geschlossene Räume auf mich gehabt haben, wenn ich früher nach Ferienfreizeit und Sommerlager nach mehreren Wochen im Zelt wieder Zuhause war. Welche Wirkung das längere Leben nah an beziehungsweise in der Natur auf mich hatte. Wie schön ich es fand, permanent Menschen um mich rum zu haben und gemeinsam zu kochen, zu essen, zu spielen, zu bauen und überhaupt zu leben.

Von außen betrachtet leben viele der Menschen hier ein permanentes Sommerlagerleben. Man isst, man baut und man lebt im engen Kontakt mit seinen Mitmenschen. Sommerlagerähnliche Konstruktionen erfüllen den Menschen hier wirklich einen nachhaltigen Nutzen. Man schweißt, man gießt Beton, man mauert, baut Brücken aus Bambus. Gefühlt sitzen die Menschen hier mit Freunden zusammen und essen und trinken oder sie arbeiten. Ein erfülltes Leben?

Eindrücke meiner bisher schönsten Station in Nordvietnam in weiteren Bildern…

Die Wasserräder in Pu Luong fördern Wasser aus den Flüssen nach oben und lassen es auf die Reisfelder fließen. Gebaut nur aus Produkten der Natur. Einfache aber eindrucksvolle Technik.

Die typischen Stelzenhäuser in der Region. Mitten in der Natur, mit einfachsten Mitteln gebaut, immer draußen.

Die Hieu Wasserfälle in Pu Luong sind auch bei Regen einen Besuch wert, weil sie dann mehr Wasser führen. Bei Hitze bieten sie eine erfrischende Abkühlung in klarem Wasser.

Der Pho Doan Markt im gleichnamigen Ort. Kernöffnungszeit ist Donnerstags und Sonntags von 6-10 Uhr morgens. Die Einheimischen besuchen den Markt auch am Sonntag sehr früh.

Kuriose Delikatesse. Auf dem Markt in Pho Doan werden Larven mit der Wabe lebendig angeboten. Nicht probiert aber interessant zu sehen.

Die Bat Cave (Hang Doi), eine eindrucksvolle riesige 250 Millionen Jahre alte Höhle im Tal des Dorfes Kho Mường. Nach einem wirklich kurzen Aufstieg vom Parktplatz erreicht man diese Höhle, eine Taschenlampe ist ratsam aber nicht zwingend notwendig.

Das freut den Hühnerfreund. Überall Hühner. Freilaufend oder im Auslauf. Hennen mit Küken. Hähne. Selten so viele freilaufenden Hühner gesehen, wie in Pu Luong.

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