Wer Hühner hält, lernt sie früher oder später kennen: Sie ist einer der gefährlichsten Ektoparasiten in der europäischen Geflügelhaltung – die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae).
Um sie erfolgreich abzuwehren, sollte man seinen Gegner kennen. Woher kommt die Milbe, wie ernährt sie sich und warum vermehrt sie sich im Sommer scheinbar explosionsartig? In diesem Blogartikel versuchen wir euch die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu geben.
Was ist die Rote Vogelmilbe?
Die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) oder auch Hühnermilbe genannt ist ein kleiner, blutsaugender Parasit, der vor allem Vögel befällt. Bei starkem Befall kann die Milbe aber auch auf Säugetiere und Menschen übergreifen.
Rot ist die Milbe nach der Blutmahlzeit. Eine „nüchterne“ Milbe ist durchsichtig grau. In den ersten beiden Nymphenstadien ist sie 0.4-0.7mm groß und hat sechs Beine. Adulte Tiere sind 0.7-1.5mm groß und haben acht Beine.
Für uns Hühnerhalter ist das Tückische an den winzigen Spinnentieren ihre Lebensweise und ihre immense Fortpflanzungsrate bei warmen Temperaturen. Sie sind nachtaktiv, saugen nachts das Blut unserer Hühner und ziehen sich tagsüber in kleinste Ritzen, Spalten oder andere Verstecke im Stall zurück. Da sie die Tiere nach der Blutmahlzeit wieder verlassen, können die Hühner sie auch nicht durch ihr natürliches Sandbad bekämpfen. Ein Befall bleibt daher oft zu lange unbemerkt. Ein Befall bei den unseren Tieren führt schnell zu erheblichem Stress, Blutarmut (Anämie) und im schlimmsten Fall sogar zum Tod.
Woher kommt die Rote Vogelmilbe?
Die Rote Vogelmilbe ist nicht ein Produkt der modernen Landwirtschaft. Ursprünglich stammt sie von Wildvögeln. In der „freien“ Natur lebt sie in deren Nestern.
In den privaten Hühnerstall gelangt sie meist über drei Wege:
- Wildvögel: Spatzen, Meisen oder andere Wildvögel, die sich im Hühnerauslauf aufhalten fungieren als Milben-„Taxi“. Auch wenn die Milbe den Vogel eigentlich nach dem Blutsaugen wieder verlässt, können einzelne Milben sich doch noch auf dem Vogel befinden.
- Neue Hühner: Egal ob gekauft, geliehen oder geschenkt. Häufig bringt man sich die Parasiten unbemerkt mit neuen Tieren oder deren Transportboxen in den Stall.
- Equipment & Kleidung: Gebrauchte Stalleinrichtung, Gerätschaften oder die eigene Kleidung nach einem Besuch bei anderen Hühnerhaltern können als Transportmittel dienen.
Hat die Milbe den Weg einmal in den Stall geschafft, trifft sie auf optimale Bedingungen: Viele Wirtstiere nachts auf engstem Raum und – je nach Stall und Ausstattung – unzählige Versteckmöglichkeiten.
Wo versteckt sich die Milbe am Tag?

Die Rote Vogelmilbe ist ein nachtaktiver temporärer Parasit. Das bedeutet: Im Gegensatz zu Federlingen oder der Nordischen Vogelmilbe lebt sie nicht dauerhaft auf dem Huhn, sondern sucht das Huhn nur zum Fressen auf. Mit dieser Strategie verhindert sie, dass sie tagsüber durch das Huhn selbst im Staubbad „bekämpft“ wird.
Die Rote Vogelmilbe scheut das Licht und versteckt sich deshalb tagsüber in den dunkleren Bereichen deines Stalls. Außerdem liebt sie den engen Kontakt, weswegen Sie Spalten oder schmale Ritze „liebt“. Diese beiden Verhaltensmuster heißen Thigmotaxis und Negative Phototaxis bzw. Skototaxis. Typische Verstecke im Hühnerstall sind deswegen:
- Ritzen, Spalten und Schnittkanten von Holz
- Unterseiten und Auflagen von Sitzstangen
- Einstreu oder andere Verstecke in den Legenestern
- Unter dem Einstreu
- Spalten oder Ritzen in der Wandverkleidungen
- Allgemein jede Form von engem, dunklen Versteck
Wie ernährt sich die Rote Vogelmilbe?
Die Milbe ernährt sich ausschließlich vom Blut warmblütiger Tiere. Hierbei bevorzugt sie Geflügel. Sollte sich kein Geflügel für die Milbe in erreichbarer Nähe befinden, macht sie aber auch vor Säugetieren nicht halt. Beim Menschen spricht man dann von der sogenannten Geflügelhalter-Dermatitis. Ohne das Blut von Geflügel kann sie sich allerdings meist nicht erfolgreich fortpflanzen.
- Der Raubzug: Sobald es dunkel wird und die Hühner auf den Sitzstangen zur Ruhe kommen, krabbeln die Milben aus ihren Verstecken.
- Mahlzeit auf Zeit: Eine Blutmahlzeit dauert etwa 30 bis 90 Minuten.
- Auswirkungen: Ein starker Befall bedeutet Hunderte Milben pro Huhn in einer einzigen Nacht. Das führt bei den Tieren zu massivem Stress, Schlafmangel, Blutarmut (Anämie) und im schlimmsten Fall zum Tod durch Herzversagen oder Blutverlust.
Der Lebenszyklus: Von 1 auf 10.000 in wenigen Wochen
Um die Explosionsartige Vermehrung im Sommer zu verstehen, muss man sich den Lebenszyklus der Milbe anschauen. Dieser verläuft in fünf Stadien Ei ➡️ Larve ➡️ Protonymphe ➡️ Deutonymphe ➡️ Ausgewachsene Milbe.
- Ei: Das Weibchen legt nach jeder Blutmahlzeit etwa 3–8 Eier in ihrem Versteck ab. Im Laufe ihres Lebens kommen so auf eine einzige weibliche Milbe 30-50 Eier. Aus unbefruchteten Eiern schlüpfen männliche Milben, aus befruchteten Eiern weibliche. Auf diese Weise sorgt die Milbe für ein für sie optimales Verhältnis von Männchen und Weibchen.
- Larve: Aus dem Ei schlüpft eine sechsbeinige Larve. Diese saugt noch kein Blut.
- Protonymphe & Deutonymphe: Nach der Häutung kommen nacheinander zwei achtbeinige Nymphenstadien. Beide brauchen zwingend eine Blutmahlzeit, um sich zum nächsten Stadium weiterzuentwickeln.
- Adulte Milbe: Ausgewachsene Milben paaren sich und der Kreislauf beginnt von vorn.
Warum explodiert der Milbenbefall
Unter optimalen Bedingungen (Sommertemperaturen von 20 bis 28 °C und hoher Luftfeuchtigkeit) dauert der gesamte Zyklus vom Ei bis zur fortpflanzungsfähigen Milbe nur 7 bis 10 Tage! Selbst bei 5 Eiern pro Eiablage und einem Zyklus von 10 Tagen kommen so auf ein einziges Milbenweibchen innerhalb weniger Wochen zig tausende Nachkommen.
Die Überlebenskünstler
Ein weiterer Grund, warum die Vogelmilbe so hartnäckig ist: Adulten Milben und Nymphen macht ein leerstehender Stall nichts aus. Sie können bei kühlen Temperaturen bis zu 9 Monate lang ohne eine einzige Blutmahlzeit überleben, indem sie ihren Stoffwechsel extrem herunterfahren.
Wie finden Vogelmilben ihre Wirte?
Als nachtaktiver Parasit verlässt die Rote Vogelmilbe ihr Versteck vor Allem nach Einbruch der Dunkelheit. Dabei sucht sie ihre Wirte – vor allem Hühner und andere Vögel – nicht zufällig, sondern orientiert sich an verschiedenen Sinnesreizen. Da sich die Milben tagsüber meist in Ritzen, Spalten oder im Nest in unmittelbarer Nähe der Schlafplätze verstecken, müssen sie ihren Wirt in der Regel nur über eine kurze Distanz finden.
Folgende Reize helfen der Roten Vogelmilbe bei der Orientierung:
- Kohlendioxid (CO₂): Das ausgeatmete CO₂ signalisiert der Milbe, dass sich ein lebender Wirt in der Nähe befindet.
- Körperwärme: Die Wärme eines ruhenden Vogels hilft der Milbe, den Wirt auf kurze Distanz zu lokalisieren.
- Geruchsstoffe: Haut- und Federgerüche liefern zusätzliche chemische Hinweise und unterstützen die Orientierung.
Sollte kein Wirtstier in der Nähe sein können Milben unter günstigen Bedingungen auch weitere Wege zurücklegen. In Geflügelställen wurden Wanderstrecken von mehreren Metern bis über 10 Meter beobachtet, wenn Milben auf der Suche nach einem Wirtstier waren. In Gebäuden können sie außerdem entlang von Wänden, Leitungen, Kabeln oder durch kleine Spalten wandern und so auch benachbarte Räume erreichen.
Fazit für die Hühnerhaltung
Wer die Biologie der Roten Vogelmilbe versteht, weiß, wo man ansetzen muss: Zwar gibt es auch Ansätze das Huhn direkt zu behandeln, eine gute Prophylaxe setzt aber am Stall an: Versteckmöglichkeiten reduzieren, den Weg zu den Hühner auf der Stange versperren und regelmäßige Kontrollen um einer Plage vorzubeugen. Da der Lebenszyklus im Sommer extrem kurz ist, reichen schon wenige heiße Tage aus, um aus vereinzelten Milben eine Plage zu machen.
Eine sehr hilfreiche Methode hierbei ist unserer Meinung nach die Hühnerstangen mit Milbensperren zu schützen. Und diese Meinung haben wir nicht, weil wir Milbensperren verkaufen. Vielmehr verkaufen wir Milbensperren, weil wir diese Meinung haben. 😉 Unsere Milbensperren findest du bei uns im Shop. Eine kleine Auswahl verlinken wir dir hier vorab.
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